Dienstagswelt
was a weekly event series presenting a wide range of artists playing strictly electronic music - live and as DJs. Berlin's most recognized elec- tronic music event on a TUESDAY with a nice mixture of local and international audience. We celebrated our partys at RAW.tempel, MIKZ and CASSIOPEIA - located in a former industrial complex in Friedrichshain [S/U Warschauer Str.]. The rough warehouse sites were picking up the rare charme of early rave venues and combining it with the typical Berlin party style & flavor.

26.06.2012 :: Berlin Experience (2 floors)

Line-up:
live: Groj // Traum | Zaubernuss [CAN]

Señor Whoogy // 4Augenvögel
Karol // Ifap
H.Schacht // Samuvar
John Gham // Kung Fu Dub | Flash Rec. [ARG] 


Pfft, eigentlich hätten wir heute 'ne "Netaudio & Friends" - Veranstaltung gut gebrauchen können. Im allgemeinen Klima des GEMA-Bashing könnten wir so tatsächlich ein besonders konsequentes Zeichen dadurch setzen, dass ein Booking ausschließlich unter der Creative Commons Lizenz veröffentlichender Künstler erfolgen würde. Haben wir schon ein Dutzend oder so Male gemacht - aber nicht heute... Ging leider nicht, weil wir die Veranstaltungen schon viele Monate im Voraus planen und festziehen - und da noch nicht klar war, was sich diese Meute aktuell ausdenkt, um ihre Pfründe aufzustocken. Nun gut, wer knapp 500.000 Euro Gehalt im Jahr bezieht, muss natürlich mit ein paar Ideen kommen, wo noch irgendwas zu plündern oder zu stehlen ist. Das Ganze erinnert uns an Wegelagerer und Raubritter vergangener Jahrhunderte - und genauso konsequent gilt es nun, mit dem Gesindel aufzuräumen. Natürlich ist es sinnvoll, dass es einen wirksamen und vernunft-orientierten, fairen, transparenten und ausgleichenden Urheberschutz gibt, leider wird dieser durch die Gema nicht nur nicht umgesetzt, sondern auch aktiv verhindert. Dabei dominiert eine glitze-glitze-kleine, dafür aber super-elitäre Gruppe von raffgierigen Nichtsnutzen etwa 95%der Gema- Mitgliedschaft, die auf Versammlungen weder rede- noch stimmberechtig ist, um vielleicht irgendwann mal irgendwelche sinnvollen Veränderungen zu beschließen. Mit der Forderung nach Neugliederung des Urheber- und Leistungsschutz-Rechtssystems wissen wir uns im Einklang mit den aller-aller-aller-allermeisten Künstlern, Verlagen, Labels und Veranstaltern. Nach unserer Überzeugung ist der Zeitpunkt für eine Reform der Gema überschritten, an ihre Stelle sollte möglichst ein pluralistisches System mit verschiedenen Anbietern, Produkten, Philosophien und Leistungspaketen treten, das sich im Einklang mit den EU-Richtlinien und dem Grundgesetz befindet. Die Zerschlagung der jetzigen Gema und möglichst viele persönliche Konsequenzen wünschen wir all denjenigen, die aktuell Clubs, Veranstalter und Gäste als Melkvieh auf der eigenen Weide betrachten. Leider ist das gar nicht lustig, sondern sehr ernst, hat doch das Berghain z.B. angekündigt, Ende des Jahres den Betrieb einzustellen, sollte die Gemakeule zuschlagen. Aber seid gewiss, dass neben Demos und Aktionen zur Gema-Hauptversammlung noch einige, weitaus schwerere Geschütze aufgefahren werden, an der auch wir uns als Dienstagswelt aktiv beteiligen.

Im Anschluss daran landen einige sehr seltene Gäste im Raumhafen der Dienstagswelt - so z.B. unseren heutiger Zufallsgast Groj. Aus Kanada stammend, legt er auf dem Dienstagsplaneten einen Hauptstadtzwischenstopp auf seiner Tournee ein, die in zuvor nach London und anschließend nach Lyon führt, bevor er sich am Ende des Sommers wieder nach Montreal aufmacht. Ein zweiter Künstler mit wirklich einzigartigem musikalischen Hintergrund stammt ebenfalls vom amerikanischen Kontinents, genauer gesagt aus Argentinien. Seit Jahren pendelt der Weltenbummler John Gham schon zwischen den drei großen B's (Barcelona, Buenos Aires und Berlin), deren Urbanität und unverwechselbare Musikkulturen sein multiples musikalisches Weltbild recht gut umreißen. H. Schacht, ein alter Bekannter der Dienstagswelt, sorgt des Weiteren - wie gewohnt - für das heimelige Wohlgefühl zwischen den Herzklappen. Mit ihm pumpen schließlich auch Herr Karol und Señor Whoogy ihr nach süßem Techhouse schmeckendes Herzblut in diese Juninacht. Zwei feste Säulen der hiesigen Feierkultur, die mit ihren eleganten, selbstsicheren und durchaus ironischen Sets dem Berliner Sound zwischen Tanzvergnügen, Leichtigkeit und Individualität ein opulentes Leben ermöglichen. Pünktlich zum Ferienbeginn und kurz vor dem Abflug vieler Technohummeln zum Fusion Festival schunkeln wir uns mit Euch ein fröhliches Stück weiter in Richtung eines weiteren, unvergesslichen Berliner Musiksommers... 

Maktub Rec. India - Labelnacht + Mitternachtstalk [2 floors]

Lineup:

Jalebee Cartel // Maktub Rec | New Delhi
+ live percussion performance
feat. Arjun Vagale & Ash Roy & Ashvin Sharma

Falling Cows / Live // Maktub Rec | Elektrotribe
Moog Conspiracy // Elektrotribe | Berlin
Breger // Beat Plantation | Essen


2nd:

Intu:itiv // Maktub Rec | Cologne

So ihr Lieben - heute machen wir mal was, was wir noch nie gemacht haben! Wir verschieben den Mitternachtstalk: TECHNO, PARK & ORDNUNGSAMT, weil leider einige Protagonisten den Termin heute nicht halten konnten bzw. einige angefragte "klasse-auf-jeden-Fall-unbedingt-wahrscheinlich-schon-mal-sehen-vielleicht"-Kandidaten es dann doch nicht geschafft haben, zum heutigen Termin zuzusagen. Hmm - aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, hoffen wir. In jedem Fall werden wir uns bemühen, im Sommer noch einen neuen Anlauf zum Thema mit ein paar Umstellungen in der Gästeauswahl vorzunehmen. Bis dahin verschwenden wir unsere Jugend einfach mit einem spannenden Musikprogramm, dass heute aus der Heimat aller heiligen Kühe kommt.  

Falling Cows heißt dann auch der Liveact, den uns das indische Label hinter das Pult spült, doch wer genau hinschaut, entdeckt alte Bekannte - mindestens aus der Dienstagswelt... Das Jalebee Cartel, namentlich Arjun Vagale, Ashvin Sharma und Ash Roy, kommen mit Maschinen und Percussion-Instrumenten, um uns mit ihrer Mischung aus live gespielten Rhythmen und elektronischen Beats aus diversen Dosen die Nacht zu versüssen. Moog Conpiracy und Breger allerdings zum Warmup zu schicken ist dann aber doch eine erstaunliche Maßnahme, sind sie doch eigentlich eher für die extatischen Schlussakkorde so mancher Feierei berühmt. Was uns das über den zu erwartenden Feierquotienten sagt, kann sich ja jeder mal selbst ausmalen... Schließlich machen wir heute auch wieder den zweiten Floor auf, auf dem der in Köln lebende Intu:itiv seine Freunde aus der indischen Heimat supportet.

Ach - und heute haben  wir dann gleich auch noch einen Doppelgeburtstag aus den Reihen der Veranstalter und befreundeten Künstler zu feiern, also kann an dieser Stelle schon mal gar nicht ausgeschlossen werden, dass es hier und da zu euphorischen Überreaktionen kommt. Wer im Sari oder im Bollywood-Style erscheint, auf einem Elefanten angeritten kommt - oder im Tigercatsuit die Kassenfrau anfaucht (besser aber nicht die Türleute!), spart sich den Eintritt!


12.06.2012 :: KLANG * SUCHT * WELT // 2 floors

Line-up:
Whatyes (live) // Klangsucht
Wankelmut // Four Music
Audio Is Guilty // Klangsucht
Dieter Polen // Klangsucht


2nd:
Bluekin // Columbia


Nada Brahma - alles ist Klang, hat der olle Baghwan (Osho) mal gesagt. Stimmt auch, wissen wir spätestens seit der gleichnamigen und wirklich spannenden Lektüre von J.E. Berendt. Jaja, der alte Jazzprofessor und seine Suche nach universalen Harmonien... Manchem Psychonauten mag das bekannt vorkommen, denn auch Hans Coustos "Kosmische Oktave" sucht ja nach dem Klang kosmischer Schwingunsharmonien - vom LSD-Molekül bis hin zum Weltenton Om... Klang * Sucht * Welt könnte also durchaus als ein leicht esoterisches Meditationsthema durchgehen, so wie etwa bei der Vertonung planetarer Schwingungsmuster durch Barnim Schultze's Akasha Projekt. Fehlt nur noch der altehrwürdige Heraklit, der uns mit seinem "Pantha Rhei" - alles fließt - die ganze Ur-Suppe eingebrockt hat, auf dessen Kräuselungen bis heute philosophische, psychonautische und musikwissenschaftliche Wellenreiter unterwegs sind. Wer den Klang sucht, leidet unter Klangsucht? Kann sein... Wir jedenfalls. Uns hat's sogar richtig schwer erwischt! Solange sie elektronisch moduliert und mit 'nem ordentlichen 4/4 unterlegt ist, machen wir gerne unser Schlauchboot zum gemütlichen Schunkeltanz auf den himmlisch-schönen Elektro-Schwingungen klar. Andere würden sagen, wir legen uns gern und regelmäßig auf die Couch diverser (Klang-)Suchttherapeuten. Und da haben wir heute ein ausgesprochenes Expertenteam am Start..!


Live besucht uns heute einmal mehr Whatyes, der mit Sonnenschein und guter Laune  zwischen seinen Reisen nach Kiekebusch und zur Fusion Zwischenstation in der Dienstagswelt macht. Er performt zum Thema: Wer, wie, wasja - und wenn doch, warum nicht? Außerdem bekommen wir Visite von Wankelmut, dem Shooting-Star unter den Unentschlossenen. Frisch zurück vom Seifenkistenrennen in Osnabrück kommt er zu uns in die Dienstagswelt, um alle Mutlosen und Verzagten in ihrem Wankelmut zu bestärken. Warum sich ständig entscheiden, wenn man eigentlich dem Sowohl-Alsauch zugeneigt ist? Und natürlich kommt der Kollege auch, um seine in kurzer Zeit doch ernorm angewachsenen DJ Credits weiter auszubauen. Bei Audio Is Guilty widerum kommt neben der Harmoniebedürftigkeit auch noch ein tief verwurzelter Schuldkomplex der Klangsucht zum Tragen. Da sollte dann spätestens für jeden was dabei sein..! Dieter Polen schließlich thematisiert gelebte Identitätskrisen und Persönlichkeitshopping. Also Persönlichkeits-Hopping, nicht Persönlichkeit-Shopping. Obwohl... Dass der Labelhead sich unverholen als Dieter Polen auf lauten Sohlen auf die Suche nach Germany's Next 4/4-Superstar macht, kann nun wirklich niemanden mehr verwundern. Solange er das aber nicht nach dem Blue System oder ganz Anders macht, sind wir (sternhagel)voll dabei! Voll dabei, in OP Null-Zwei, ist schließlich auch unser Überraschungsgast Bluekin aus Kokolorien, ach nee - es war ja doch Kolumbien. Sie kommt laut unbestätigten Gerüchten vom Klangmedizin-Kartell, einem der berüchtigsten Banden, die alle Klangsüchtigen zwischen Miami und Berlin mit ihren unverschnittenen Sounds und Rhythmen beliefern. Das geht voll in's Blut, wir schwör'n!

Also, genug theoretisiert, lasst uns mal praktisch werden! Unos, dos, tres, cuatro...

05.06. 2012 :: Nightfall & Foundation: Weissrussland Special

Line-up: 
TrockenSaft (KDB Records / BlackFoxMusic - Minsk)
Eli Crust (Flash Back / KDB Records - Grodno)
L Kubic (BlackFoxMusic / Buzzin Fly - Berlin)
Agraba (KDB Records / Twisted Frequency Rec. - Moskau)


Visual Support & Installation: Trashpuzzle

Wie ihr ja wisst, hat es sich die Dienstagswelt zu einer ihrer vordringlichsten Aufgaben gemacht, die gröbsten Lücken im bundesdeutschen Bildungssystem zu schließen. Mut zur Lücke, heißt es ja immer - und das sagt leider schon alles - nicht nur über das Bildungssystem sondern auch über zahnärztliche Kassenleistungen oder in der Debatte um Kitaplätze. So laden wir heute alle wissensdurstigen (und durstigen natürlich auch...) Dienstagsweltenbummler auf eine Reise durch das unbekannte Weissrussland ein. Natürlich, wie der Name schon sagt, kann man das tun, indem man sich einen White Russian nach dem anderen hinter die Binde kippt. Auch ok. Aber unsere Mitmach-Bildungsoffensive sieht vor, dass wir Euch alle einladen, Teil dieser wundersamen Welt zu werden... denn: Wir haben neben den DJs aus Belarus auch die Visual Crew von Trashpuzzle am Start! Und da kommt ihr ins Spiel....


In bester Komsomol-Tradition wird heute für den visuellen Genuss hart gearbeitet! Dinge, Photos, Schnipsel, Gegenstände, Figuren, Fotos, Ehrennadeln, Mondgestein, Glasaugen oder sonstige Sachen können - wie bei Rudi Carell damals - auf ein Laufband gelegt werden. Am laufenden Band also werden dann alle diese schönen, schrecklichen, wundersamen, scheußlichen oder atemberaubenden Dinge mittels Kamera und digitaler Zauberei zu bewegten Visuals dieser Dienstagswelt. Und da das Thema "Weissrussland" bzw. "Nightfall & Foundation" lautet, könnt ihr heute allerlei Themen-bezogene Sachen für das Laufband mitbringen und diese dann zum Teil unserer visuellen Installation werden zu lassen. Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr mal zuhause nachschaut, ob ihr alte Autogrammkarten von Lukaschenko findet, verbeulte Münzen oder einzigartige Schnitzfigürchen, bunte Wimpel, orthodoxe Heiligenbildchen, verbotene Untergrundpampflete, Trachtenschals, handbemalte Matryoshkas, Buchcover von Asimov oder die hölzernen Wandteller aus dem Partykeller. Ihr könnt natürlich auch (wie schon erwähnt) Euch Sachen ausdenken, die ihr gerne in den weissrussischen Kontext einsortieren würdet. Eurer Fantasie wollen wir hier nicht vorgreifen. Und: Je doller jawoller! Das Band läuft die ganze Nacht - und die ist ja bekanntlich erst nach Sonnenaufgang zu Ende...


So, jetzt kann's eigentlich losgehen. Musikalisch wird's ohnehin ein Leckerbissen, denn die kleine aber feine Szene in Belarus, repräsentiert von TrockenSaft und Eli Crust, wird ergänzt von Agraba aus Moskau und dem in Berlin lebenden (und den Dienstagsweltlern schon von Black Fox Music-Nächten bekannten) L Kubic! Wer schonmal was vorhören möchte, kann das hier tun!

 >> Promo Set Trockensaft (für Kiddaz FM Rec.)

 >> Trashpuzzle Vido Snippet







29.05.2012 :: Senzen

Line-up:

Main:

Tigerskin // Dirt Crew Rec. // live
Jens Bond // highrade
Benno Blome // sender
Anja Zaube // suchtfaktor | avantagarde 


Oberstübchen:
Der Raab
// electronic SAT

Na? Habt ihr Euch alle Euer Mörchen abgeholt? Sollte dieses Märchen vom Mörchenpark wirklich wahr werden können? Wir wissen es natürlich auch noch nicht, aber eins ist doch gewiss: Mörchenstempelshirtträger und Mörchenstempelshirtträgerinnen (andere Kleidungsstücke zählen auch) haben heute die ganze Nacht den vergünstigten 3€ Eintrittspreis. Das Selbe gilt übrigens auch für Renates Ferienkinder! Mit Ferienlagerausweis wird's heute genauso sparsam! Und das bei einem solchen Programm:Tigerskin spielt live, flankiert mit unseren Labelfreunden Benno Blome und Jens Bond. Und von Alltimefavoritin Anja Zaube sowie seinem männlichen Pendant Der Raab. Wir feiern auch noch einen Geburtstag - aber das sollte ja niemanden irritieren... Dementsprechend sind beide Floors, beide Bars - und wenn das Wetter so bleibt - auch der Außenbereich geöffnet. Wir haben so Bock, mit Euch in den Sommer zu r(ingels)ocken - und ihr??

22.05.2012 :: You See Plays Techno

Line-up: 
D-ZyBell :: Gon.Rec./ Wald und Wiese Rec./ BLF
Mijk van Dijk :: bln.fm / Great Stuff
Audio is Guilty :: Klangsucht
Karina Qanir :: Gegen / Warehouse


Techno ist ja schon mindestens 20 Jahre ein Synonym für Berliner Musik- und Feierkultur geworden. Zwei Jahrzenhnte Hedonismus - aber auch 2 Jahrzehnte, die unsere Geschichte des Nachwende-Berlins erzählen. Unsere heutige Auswahl an DJs mag ein wenig stellvertretend für diese doch schon recht lange Zeitspanne des guten Geschmacks stehen, soundmäßig halten wir uns aber schon an die Welt, wie wir sie heute kennen! Trotzdem - oder wahrscheinlich gerade deswegen konnten wir Altmeister Mijk van Dijk dafür gewinnen, statt des von ihm ebenfalls heiß geliebten E-Funk Sound für uns mal wieder die Technobrille aufzuziehen und all jene Spätgeborene, die sich noch nicht von seiner endlos langen Liste an Veröffentlichungen, Produktionen und Remixen haben beeindrucken lassen, durch seine großartigen DJ-Künste zu betören. D Zybell hingegen, die auch gerne mal an 4 Decks gleichzeitig spielt (aber nicht heute - oder doch??), gibt endlich auch ihr Debut in der Dienstagswelt. Und wer sagt, dass es zu wenig Frauen im Techno gibt? Also hier nicht! Mit Qanir tummelt sich gleich noch eine zweite, der Dienstagswelt allerdings bestens bekannte Vertreterin der härteren Gangart auf dem Lineup. Da kommt schon ein wenig Vorfreude auf - natürlich - last but not least - besonders auch auf Audio Is Guilty, den unermüdlichen Technauten der Jetztzeit. Denn der Klangsucht Vertreter hat uns ebenfalls schon oft bewiesen, dass er keinesfalls im Verdacht steht, zum Stöckelschuh-tauglichen Tanztee aufzuspielen. Also ihr Lieben - die Parole für heute lautet: Handtuch statt Handtasche!

15.05.2012 :: Kleiner Mond für Psychopathen

Line-up:
Chris Hanke // Freudentaumel // Berlin
Affaire Zweifuss // Elektrofreaks // Berlin
Milan J // Mushido // Shanghai | China
Anis Chouibi // NKN // Berlin



Heute leider kein Text wegen akuter Überlastung. Dafür aber ein Link (solange er funktioniert) zum Mitschnitt vom Set von Affaire Zweifuss!



08.05.2012 :: We Are All Prostitutes :: WAAP Rec. Labelnacht

Line-up:
DJ Aroma | Aromamusik / WAAP
Sven Wegner | WAAP (HH)
Jochen Korn | WAAP (HH)
Felix Tollkuehn | Aromamusik


Die Techno-Szene: Wo man hinschaut nur DJs und Livekünstler, die sich für Geld anbiedern. Ein Problem, dass nicht nur in Großstädten, sondern zunehmend auch in der Provinz um sich greift. Die Biografien der Betroffenen ähneln sich dabei auf augenfällige Weise. Meist über Freunde und Bekannte bekommen sie Kontakt zur sog. "Szene". Alles ist locker, persönlich und cool. Drogen, Alkohol, Sex - nichts scheint zu fehlen in diesem Universum der Versuchungen. Wer dabei ist, fühlt sich groß, dazugehörig, hip. Wer draußen steht, hat Pech gehabt. Gerade für junge Menschen ist die Versuchung groß, einzusteigen in diese bunte Welt unter den Spiegelkugeln. 

Nach ersten Clubbesuchen folgen schon bald gezielte Plattenkäufe, zum Geburtstag werden ein Mischpult und zwei gebrauchte Turntables erbettelt. Oftmals denken sich Eltern und Großeltern nichts dabei, wenn die Kinder mit dem Wunsch  nach Plattenspielern nach Hause kommen - schließlich steht in der alten Schrankwand im Wohnzimmer auch so ein Ding von früher. Damals hat man James Last Platten aufgelegt, um für die Tanzstunde zu üben. Was soll daran schlimm sein? DJ Felix Tollhaus (Name von der Redaktion geändert) erinnert sich: 



"Ich habe meinen Eltern natürlich nie erzählt, was damals wirklich los war. Tanzen und Musik - das klang harmlos. Was ich aber wirklich wollte, war ein Lotterleben in Saus und Braus, so wie ich es in den Clubs erlebt habe, in die ich mich schon als 16-jährige Bub mit gefälschten Ausweisen geschmuggelt hatte. Ich gab all mein Taschengeld für Platten aus und werkelte heimlich über Kopfhörer zuhause an meinen Mixing-Skills. Irgendwann bekam ich dann die Gelegenheit, in meinem Lieblingsclub für einen Künstler einzuspringen, der nicht erschienen war. Ich wohnte nicht weit entfernt, raste nach Hause um meine Platten zu holen - und hatte meinen ersten Einsatz. Ich war aufgeregt - darauf hatte ich die ganze Zeit gewartet. So fing alles an, harmlos eigentlich - und doch war es der Vorhof zur Hölle..."

Was folgte war ein schnelles und stetiges Abrutschen in die lichtscheuen Niederungen des Gewerbes. Am Anfang geht es dabei selten um Geld, aber je tiefer der Betroffene in den Strudel des Nachtlebens gerät, umso weniger gelingt es ihm, eine bürgerliche Existenz aufrecht zu erhalten. Tagsüber zu arbeiten, wird irgendwann unmöglich. Schlafdefizit und der Wandel des sozialen Umfelds tun ihr Übriges. DJ und Livekünstlerin Bar-Oma (Name von der Redaktion geändert) resumiert: "Entweder Du schaffst es bis an die Spitze - oder du krepierst jämmerlich bei deinem Versuch. Es gibt aber noch eine dritte Möglichkeit - und die ist, auf die andere Seite der Nacht zu wechseln: Zu denjenigen, die vom Leid und Elend der Betroffenen profitieren -  den Veranstaltern. Sie gelten zurecht als Blutsauger der Szene - aber ohne sie läuft halt nichts. An ihnen führt kein Weg vorbei - egal, wer du bist."


Die Gruppe der Betroffenen wächst schnell - von daher unterbieten sich irgendwann diejenigen mit  ihren Gagenforderungen, die es nicht bis ganz nach oben schaffen. Ihre Not wird von zahlreichen Etablissements und gut organisierten Label- und Veranstalterbanden, oft mit weit verzweigten Kontakten ins Ausland, schamlos ausgenutzt. Immer wieder werden hier junge, ahnungslose Menschen auf dubiosen Kanälen und mit allerlei Versprechungen in die Clubs gelockt und zur musikalischen Prostitution gezwungen. Nacht für Nacht stehen diese bedauernswerten Opfer einer menschenverachtenden Technokultur hinterm DJ Pult im Scheinwerferlicht und setzen sich den gierigen Blicken und Schreien der Besucher aus. Und wenn nach zwei oder drei Stunden ihr Set vorbei ist, so sind sie auch schon aus den Köpfen der Gäste verschwunden, die sich kaltherzig und immer auf der Suche nach dem rauschhaften Momentum, bereits dem nächsten Künstler zugewandt haben. Der Entzug beginnt... DJ Doppelkorn (Name von der Redaktion geändert) erklärt: "Es ist wie ein Rausch, eine Sucht. Du willst, dass es nie aufhört. Du forderst immer größere Setlängen, doch die Veranstalter nutzen Deine Abhängigkeit schamlos aus und bieten immer geringere Gagen. Sie wissen, dass man nicht anders kann."  



Und Die Behörden schauen weg. Schließlich fließt der Alkohol in Strömen - Steuerein-nahmen, die Gemeinden und Kommunen dringend brauchen. In manchen Stadtteilen, wie etwa in Berlin, entsteht ein regelrechter "Techno-Strich". Wer hier landet, dessen Träume sind bereits Illusionen von Gestern. Hier herrschen die ganz harten Regeln des Geschäfts. Die Vorstufe zur totalen Inversion einstmaliger Träume beschreibt DJ Sven Vägner (Name von der Redaktion geändert) mit den Worten: "Ich hatte seit drei Tagen nichts gegessen. Alles was mir einfiel war, den Leuten anzubieten, dass ich für ein Teller Suppe und ein Butterbrot Techno auflege. Wenn ich heute darüber nachdenke, bekomme ich gleich wieder Appetit." Ein Teufelskreis. 

Die heutige Veranstaltung will auf die dramatischen Misstände aufmerksam machen. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten.

01.05.2012 :: Dienstagswelt: Curateur Del Musique

Line-up:
Mary Jane // CURATEURdelMUSIQUE // Ritter Butzke
Hey Karolin // Hi Freaks // Hamburg
Marlene Magnoli // Coal


Nach eine kreativen Pause ist der CLUBdelMATE zurück mit einem neuen Projekt und einer neuen Idee CURATEURdelMUSIQUE.

CURATEURdelMUSIQUE ist ein temporäres Labelprojekt und ist die Erweiterung des in den letzten Jahren in der RitterButzke gastierende PartyLabel CLUBdelMATE. Dieses Überzeugte durch tolle Partykonzepte und grossartige Musiker. Die neue Idee ist nun ein "12 Monate = 12 Releases"-Label ins Leben zu rufen. Mit altbekannten und neuen Künstlern.

Bevor das Label ab Herbst an den Start geht, haben wir Labelmacher, Promoter und Künstler von CURATEURdelMUSIQUE zu Musik und Tanz in die Dienstagswelt geladen, damit der Start in das Projekt mit einer großen Portion Gutelaune angerührt werden kann, verfeinert mit Feierlust und garniert mit ein paar süßen Momenten hemmungslosen Genusses. Tja, ihr Musikantinnen - und Freunde des guten Geschmacks: das könnte richtig schön werden heute...!

24.04.2012 :: Hitting Home - El Paso Labelnacht

Line-up: 
Marc Miroir (Paso | Bondage)
David Mayer (Paso | Keinemusik)
Sebastian Radlmeier aka Sebrok (Paso | Mobilee )


Her mit dem bunten Leben! Nein, das hier wird kein Kniefall für Alle Farben, obwohl Frans der Erste wirklich ziemlich viel Abwechslung in das Berliner Technoversum gebracht hat... Wir sprechen natürlich von der Dienstagswelt, der Erfinderin des elektonischen Farbsensotiometers. Was das sein soll? Nun: Damit mischen wir uns unsere Dienstagswelten anhand der vielen farbanalogen Zutaten zu unverwechselbaren Stimmungshighlights zusammen: Rot für die Liebe, Gold für das Herz, Pink für den Humor, Blau für den Mittwochmorgenhimmel, Braun für gutes Dope (oder war das Grün?)... Dann noch schwarzen Jägermeister und weiße ... äh... Zuckerschnuten? So in etwa. Ein Schuss Lila für die Laune, Orange als Verstärker und Türkis gegen den morgendlichen Abschiedsschmerz... Aus diesen Farben setzen wir Dienstag für Dienstag ein Stück Heile Welt in Szene, die runter geht wie warmer Pudding mit Sahne. 

Apropos Sahne: Heute feiert Paso Rec. den ersten Release "Hitting Home" vom Label Mastermind Marc Miroir. "Auf der Platte ist eine Mischung aus Techno, Tech-House, Minimal Grooves sowie Deep und Acid House-Tracks mit vielen überraschenden Drehungen und Wendungen zu finden.Jaaa, das lieben wir genauso, wie die musikalische Vielfalt, die heute in persona von Sebrok ("The proof is in the pudding though... and Sebrok will soon serve up his desserts...") und Keinemusik-Mitbegründer David Mayer ("...prefers thinking outside the box...") für weitere musikalische Farbtupfer sorgen. Natürlich löffeln wir das Gericht samt Nachtisch und diversen Früchtchen (bitte schön saftig!) auch gerne aus,genießen die imposanten Soundgemälde der Künstler und gießen uns, wie immer, noch einen Schlückchen Dienstagsgeist hinter die Binde - eine Essenz aus Morgensternchen, Abendröschen und Herzblut von 'nem läufigen Einhorn..." Schmeckt leider geil!

17.04.2012 :: You See

Line-up:
Cath'n'Dan // Eintakt
Lektor // Liebe Zur Musik
Peter Grummich // Moris Audio
Charles Tone // LPG


Na toll, da heuchelt man als Texter eine absolut glaubwürdige Schreibblockade - schwupps! - schon fängt man an, sich selbst zu misstrauen! Ihr kennt ja alle das Wort von der sich selbt erfüllenden Prophezeihung - also etwas, das eintritt, nur weil man behauptet hat, dass es eintreffen wird. "Und ich sage Euch: ein Schiff wird kommen, zu holen die Gerechten und Geläuterten, die Mildtätigen, die Weisen und Hilfsbereiten - um sie nach Shangri-La zu bringen, das Land, in dem Milch und Honig wie Mehlsuppe und Baumharz schmecken" - ist ja als Prophezeihung beispielsweise nie eingetreten, und zwar nur deshalb, weil es einfach niemand prophezeit hat! Leider, sonst wären wir diese Langweiler jetzt alle los! Die meisten der bekannten Propheten und Scheinpropheten dieser Welt ignorieren das Thema "sich selbst erfüllende Prophezeihungen" komplett - natürlich weil ja sonst niemand ihr Prophetendasein bemerken oder gar wertschätzen würde. Dabei gäbe es so schöne:  "Bei einem ersten Vollmond, den du um Mitternacht sich im Flusse widerspiegelnd, mit deinen eigenen Augen erblickest, wird dir durch ein Bade im selben Wasser ewige Jugend und ein Lotterleben in Saus und Braus vergönnet sein" ist auch so eine Prophezeihung, von der mir vollkommen unklar ist, warum sie nie jemand ausgesprochen hat! "Und wenn am siebten Tag zur siebten Stunde die sieben Hörner sieben Mal geblasen werden, so wird all jenen, die ihren Klang vernehmen, Erleuchtung und musikalisches Genie gegeben werden, auf dass sie hinausgehen in die Welt, diese vom Falschspiel und schnöden Geklimper der Schlager- und Volksmusikanten, Werbejinglekomponisten  und Klingeltonerfinder zu befreien". Hach wäre das toll! 

Nun gut, muss die Dienstagswelt, mit Hilfe ihrer heutigen Quadriga, mal wieder ihre eigenen Prophezeihungen erfüllen: Dabei gestaltet sich die nach-österliche Wunderwelt als rein Berliner Klassentreffen. Mit dabei - und quasi in der ersten Reihe, sitzt, steht und reiht Peter Grummich seine musikalischen Kleinodien zu Perlenketten der elektronischen Clubmusik aneinander, deren glänzende Prophezeihungen sich zuverlässig unter den funkelnden Spiegelkugeln der Tanzflächen erfüllen. Oder Cath'n'Dan, die Zwillinge der Nacht, deren Prophezeihung "der ganze Weg bis in den Himmel und wieder zurück lässt sich tanzend bewältigen" damals vom Tagesspiegel zwar richtig beschrieben wurde - die aber dann doch nich die "Techhouse-Brüder vom Eintakt-Label" (-> link) sind, außer sie haben heimlich ihr Geschlecht gewandelt. Kommt ja auch mal vor, aber davon wüssten wir dann doch... Wir prophezeien: "journalistischer Rohrkrepierer"! Seht ihr, wie das funktioniert? Was soll das heißen: "Vorher.. nachher..."? Was sind das denn jetzt für Spitzfindigkeiten? Tss... Immer diese Besserwisser - die hätten gleich mitfahr'n können in dieses Shangri-La! Also weiter im Text, Freunde...

Nach soviel Frohsinn verbreitet an diesem denkwürdigen Abend auch Lektor mal wieder seine pro-fetischen Botschaften von Liebe und Ekstase, nachdem er seine anscheinend nie versiegenden Quellen der Inspiration in so viele Richtungen der Partykultur dieser Stadt hat sprudeln lassen, dass es für 3 Geschichtenbücher reichen würde. Seine "Liebe zur Musik" ist tatsächlich seine selbst gelebte, sich selbst erfüllende Prophezeihung! Charles Tone schließlich schöpft seine musikalischen Prophezeihungen aus einem nahezu unerschöpflichen Repertoire aus japanischem Underground-Techno, eigenen Produktionen mit gigantisch langen und epischen Titeln (z.B. "Polaris sah uns wohl unendlich kurz nur staunen" oder "Eine Wolke stand in den Weiten noch lange") sowie aus den Dutzenden Klangwelten, die er durch seine eigenen Veranstaltungen in den Clubs "urbi et orbi" immer wieder selbst erfindet. Auf diese Weise ignorieren wir, wie immer, die schnöde Realität langweiliger Dienstagabende - und sorgen mal wieder auf's Neue für unsere ganz eigene, von sich selbt erfüllte Partynacht! 
Line-up Main Floor:
 
Mono Schwarz // Kallias
Bastian Kurzweil // Dienstagswelt | Kallias
Egokind // Kallias
Jan Pyroman // Kallias
Patryk Molinari // Kallias

2nd: (after Mitternachtstalk):

Alex Monster // Frequenza Records | K:lender | Female:Pressure (Belgrad) 

 
MITTERNACHTSTALK
Party & Politics: Erwartungen an das Musikboard Berlin


Es diskutieren (mit Euch)

Steffen Hack (Betreiber Watergate)
Lutz Leichsenring: (Sprecher Clubcommission Berlin)
Katrin Schmidberger (Clubpolitische Sprecherin B90/ Die Grünen)
Jan Kühn (Technokultur-Wissenschaftller, Berlin Mitte Institut aka Fresh Meat)

Moderation: Tim Thaler (bln.fm)

Berlin erhält im Herbst ein Musikboard, dass im Jahr 2013 die Koordination zwischen Akteuren und Betroffenen der ausgedehten Musikkultur in dieser Stadt übernehmen soll. Probleme wie Verdrängung durch Kapitalverwertungs-interessen, Lärm, Stadtplanung, Tourismus u.v.m. könnten hier mit den Beteiligten zusammen besprochen werden. Aber auch die Koordination zwischen Stadtmarketing, Großevents, geförderter Kulturbetrieben, freien Musikszenen und kulturellem Underground ist ein Feld mit vielen Ressentiments, Ängsten, Egoismen - aber auch Chancen.

Die Clubcommission - sowie mit ihr zahlreiche Netzwerke haben sich im Rahmen ihrer Kampagne Musik2020 für solche ein Musikboard - nach dem Vorbild des Medienboards - stark gemacht. Andere Akteure befürchten, alles sei nur Fassade, um den ewig gleichen Profiteuren des Kulturbetriebs Posten und Pfründe zu sichern. Wieder andere fürchten durch ein Mainstreaming der Debatte und eine Hierarchisierung der Interessensvertretung den letzen Rest Aufmerksamkeit für die Besonderheiten und Vielfalt der Situationen zu verlieren. Können wir der Gentrifizierung und dem Clubsterben etwas entgegen setzen? Wird es Sonderzonen in der Innenstadt geben, wo wir alle länger laut sein dürfen? Oder werden uns abgehalfterte Dinosaurier der multinationalen Musikindustrie - oder selbstverliebte Berlinwerber die Butter vollends vom Brot nehmen? Werden schlafbedürftige Nachbarn umgesiedelt oder zur Akzeptanz von kulturellen Begeleiterscheinungen gemahnt? Wird ein Umzug der Clubszene nach Lichterfelde-Süd gesponsort? Fragen über Fragen...

Uns erscheint es wichtig, dass die Musikszene VOR der Gründung eines Musikboards intensiv darüber nachdenkt, was WIR wollen, was die Interessen der Clubs, ihrer Besucher, der Veranstalter, Programmgestalter und Betreiber sind. Idealerweise entwickelt sich ein Forderungskatalog an das Musikboard, mit dem dann die Protagonisten in die Debatten und Verhandlungen gehen können. Dabei sollen nicht nur Hinterzimmergespräche von Experten - sondern auch eine breite, öffentliche Diskussion Anregungen, Ideen und eine Vorabstimmug darüber bringen, wofür die abstrakt in den Doppelhaushalt 2012/2013 für ein solches Board eingestellten 1 Mio Euro ausgegeben werden sollen.

Wir hoffen auf rege Beteiligung und Interesse von Euch! Bringt Euch ein, sagt Eure Meinungen, habt einfach 'ne große Klappe - das könnt ihr doch, oder?

03.04.2012 :: The Concorde Club Experience // Neue Deutsche Posterkunst

Line-up:
Superlover aka M_Ferri :: Kassette / Autist / Concorde Club Rec.
Farbaromat // live :: Concorde Club Rec.
Gregor Sultanow :: Concorde Club Rec.
Microtune & Takter :: Concorde Club Rec.

Visual Artist: e-Gruppe / Triple Head VJ Installation

2nd floor:
Exhibition #4: e: Neue Deutsche Posterkunst // Logoübersetzungen

Music:
Mogreens (Blog.Rebellen)
Sebastian Wolff :: Deine Lieblingsraver

Als wir neulich im Bastelraum der Dienstagswelt saßen, um unsere Klebestifte von Papierresten und anderen Verunreinigungen zu befreien, kamen wir nach Höxchen und Stöxchen auch auf das Thema zu sprechen, ob es die Techno- und elektronische Clubkultur irgendwann nur noch im Museum geben würde - und auf welche Weise es wohl gelingen könnte, irgend etwas von dem Lebensgefühl einzufangen. Nun, elektronische Tanzmusik gibt es ja nun schon seit rund 25 Jahren - und ist aus unserer Stadt immer noch nicht wegzudenken, trotz Kommerzialisierungsorgien Ende der 1990er und schmerzfreiem Handtaschen-House für paarungsreife Mittzwanziger in überstylten Mittebars. Wir dachten uns also, bevor wir alle irgendwann nur noch als kulturhistorische Rückschau zu genießen sind, machen wir's erst mal anders herum und holen uns die Kunst in die Dienstagswelt.

Natürlich sind wir musikalisch immer auf der Suche nach der ganz hohen Schule künstlerischen Schaffens, die uns, abwechslungsreich und voller Überraschungen, ein ums andere Mal ganz spannende Dienstagnachterlebnisse beschert. An diesem Dienstag jedoch haben wir zusätzlich noch einiges zum Anschauen vorbereitet - nämlich eine Lichtbildausstellung im Oberstübchen - sowie ein Visual Art Installation rund um den Mainfloor.

Musikalisch übernimmt heute Concorde Club Recordings das Zepter. Das Potsdammer Label hat mit Farbaromat einen musikalischen Weltenbummler und Liveact im Schlepptau, dessen Sound zwischen Chicago, Detroit, Kingston, London und Berlin mäandert. Und mit Superlover erfüllen uns die Concordler zudem noch einen schon länger gehegten Wunsch, denn die Reise des manchen eher als M_Ferri bekannten DJs von der dunklen Seite des Technos über sein "Kassette Boys"-Projekt bis hin zum warmen, melodie- und Piano-durchsetzten "Disco-Pop-Superlover-Sound" ist später sicher mal ein eigenes Kapitel in den Technodokumentationen über diese Stadt wert. Gregor Sultanow wiederum steht für den typischen Labelsound zwischen Industrial House und analogem Techno, den Microtune & Takter um melodiöse, doch eher minimale Komponenten erweitern.

Die Installation im Oberstübchen wird natürlich ebenfalls musikalisch begleitet. Einerseits von Mogreens, dessen Kopf ja in vielen Welten steckt - von Visual Art über Lounge & Dub Sounds bis hin zu seinem eigenen Blog, dessen Fundstücksammlung sich um eine breite Themenwelt zwischen DIY Punkrockstudios aufm Dorf, ungewöhnliche Baumhäuser oder Kurzfilme über Alltagsrassismus drehen. Zudem wird auch Sebastian Wolff von Deine Lieblingsraver noch ein paar Platten drehen, das wird dann sicher auch etwas flotter...

Im Zentrum des visuellen Rahmenprogramms steht indes e-Gruppe und seine Projekt Neue Deutsche Posterkunst. Wer aus den 1990er Jahren noch den "Flyer" (2003 leider eingestellt) kennt, der hat bereits einen Zusammenhang zwischen Logoübersetzungen und elektronischer Musikszene kennen gelernt. Die hier präsentierten Werke sind jedes um einiges schärfer und tragen zudem weit mehr Aspekte der Konsumkritik und eine grundsätzlich globalisierungskritische Haltung in sich. Sehr sympatisch!

27.03.2012 :: You See



Line-up:
Daegon | Der Hut Rec. / Elektrotribe // live (Denver | USA)
Foolik | Kleidertanz
Memnok [Replacement for Tiari] | - Fourth Kind (Grand Rapids, Michigan | USA)
Anarki | Barfuss

Na - wenn das kein Frühling wird! Die Tage sonnig, die ersten Open Airs zwischen noch blütenlosen Bäumen - und Guerilla-Gärtner auf der Frankfurter Allee beim gut gelaunten Guerillagärtnern.... Nur die Nächte sind noch kalt. Außer natürlich, wenn man sie im Kreise der Lieben mit viel Körperwärme, Leidenschaft und flüssigem Feuer verbringt. Genau so etwas schwebt uns nämlich am kommenden Dienstag wieder vor, wenn wir uns alle anschicken, die nächste Dienstagswelt zu besiedeln. 

Zum Terraforming hat sich diesmal ein illustres Ründchen aus vier Unterhaltungs-Spezialisten angesagt. Zwei von ihnen sind den langen, weiten Weg durch den Atlantik geschwommen, vorbei an japanischen Geisterschiffen und diversen, bunt schillernden Schwerölteppichen - nur um das Detroit-Fähnchen auch nach 25 Jahren Techno auf unseren Straße des Ruhms zu schwenken.  Zumindest Tiari (aka Trevor Caruso) kann das sogar mit biographischem Hintergrund tun, kommt er doch ganz real aus der heute mehr vom Niedergang der Autoindustrie als vom Technosound gezeichneten Stadt. Sein Landsmann Daegon indes knüpft, doch ganz in unserem Sinne, allerdings nur musikalisch an das Erbe dieser Stadt an. Er selbst lebt in Denver, einer Stadt, die eher durch schlechte TV Serien oder Jack Kerouacs Roman "Unterwegs" (On The Road" internationale Berühmtheit erlangte. Wir sind deshalb umso mehr gespannt, was uns von dieser Seite - LIVE - um die Ohren fliegt...

Die andere Hälfte der musikalischen Abendunterhaltung übernehmen die (Wahl-)Berliner Anarki und Foolik. Ersterer ist seit vielen Jahren feste Größe der städtischen Feiergemeinde - und gemeinsam mit seiner Barfuss-Crew auch dieses Jahr wieder dabei, im Kiekebusch am nächsten Highlight auch der kommenden Sommersaison zu basteln. Hach, es kribbelt schon so schön! Das selbe gilt - quasi - auch für Foolik, dessen Kleidertanzgruppe uns ebenfalls (nicht nur aber auch) mit exzellenten Open Air Veranstaltungen regelmäßig die Sommer versüßt! An diesem Dienstag indes steht kein Männlein im Walde, sondern derer gleich vier im Raumhafen der Dienstagswelt - allzeit bereit, sich einer musikalischen Schwerelosigkeit sowie den Wundern unseres Universums hinzugeben, als gäbe es kein Morgen. Wer kommt mit? Es sind noch Plätze frei!

20.03.2012 :: Manakacha Labelnacht

Line-up:
Rafael Gomez // Manakacha | Vekton // live
Soren Aalberg // Bedrock Rec. | Manakacha // Kopenhagen [Dk]
Humantronic // Manakacha | Schallbox | Neopren | Elektrotribe


Wisst ihr noch? Letzte Woche unternahmen wir einen kleinen Exkurs in die Welt der "Points", der Info-, Meeting- und sonstwie Points! Nein? Egal... Jedenfalls haben wir einen ganz bestimmte Point extra aus der Aufzählung ausgespart: mämlich den Manakacha Point! 'Waaaas?', hören wir Euch ausrufen, soll den das sein? Ja... der Manakacha Point... wurde benannt nach einem Indianerhäuptling Manakacha (der irgendwie keine wirkliche Rolle in der Geschichte einnimmt - aber wer tut das schon...) und liegt im Grand Canyon - und der bekanntlich in Arizona. Schön ist es da - sogar sehr schön! Gut - kommt man nicht jeden Tag vorbei, deswegen ist es doch eigentlich ganz praktisch, dass es das gleichnamige Labelprojekt unseres Freundes Humantronic gibt, dass zudem ab übermorgen ein Plätzchen an den musikalischen Lagerfreuern der Dienstagswelt erhält. Außerdem hat es zufälligerweise eine ganze Menge mehr mit ausgesprochen guter elektronischer Musik zu tun, als dieser ominöse Aussichtspunkt (stellt Euch vor, ihr wärt ein Indianerhäuptling - und alles, was von Euch übrig bleibt, ist der Name eines View Points...). Wir dachten uns also, wir unternehmen am Dienstag nun also besser eine nächtliche Reise zu den Schönheiten des Labels, als uns mit den paranoiden Einreisebestimmungen der Homeland Security der U,S und A herum zu schlagen. Macht mehr Spaß und ist preiswerter! Außerdem trifft man noch nette Menschen mit guten Musikgeschmack.


Zu Ihnen gehört nächste Woche beispielsweise Labelhead Humantronic, der sich auch manchmal Fred Flower nennt und mit Fug und Recht ein echtes Blumenkind genannt werden darf!  Oder unser heutiger Liveact Rafael Gomez, der wie Fred schon das ein- oder andere mal die Dienstagswelt vom Kriegstanz zur Friedenspfeife und zurück geführt hat. Ganz besonderer Gast heute ist aber Soren Aalberg aus Kopenhagen. Mit ihm nämlich schließt sich der Kreis vom Musiklabel zur Dienstagswelt, weiter zum Indianerreservat - und wieder zurück -  aufs Wunderbarste. Warum? Nun, die von Soren selbst immer wieder gern erzählte Legende besagt, er sei als Säugling von Fischern in einem kleinen Ikea-Weidenkörbchen im Nordeeeschilf gefunden worden. Das rythmische Klatschen der Wellen, das melodische Säuseln des Wassers am Körbchenrumpf sowie die Soundsamples von Möven, Alligatoren und sowjetischen Atom-U-Booten wurden zwangsläufig später zur Grundlage seiner musikalischen Besessenheit. 

Wir erkennen hier zugleich auch die Prophezeiung aus dem Erweckungsmythos der Havasupai Indianer, der wahrscheinlich der versprengte 13. Tribe of Judah ist. Häuptling Manakacha hat schlicht die judäische Geschichte um ein Findelkind namens Moses ein wenig modifiziert und ansonsten - ganz im Geiste der zeitgenössischen Filesharing- und Urheberrechtsdebatte - schlicht abgekupfert, indem er sie auf diesem Dingsbums-Berg in Vinyl ritze und später dann im lokalen Plattenladen der Reservation auf ausrangierten Pressen vervielfältigte. Naja, so erfolgreich wie die Autoren dieser Moses-Geschichte ist das Ding nicht geworden, wobei die Vinylausgabe aber immerhin einen nicht unerheblichen Sammlerwert besitzt... Äh, zurück zu Soren: Während seiner Jugend wurde er zu zahlreichen Reisen in die Wüsten des elektronischen Synthie-Pops gezwungen, was ihn dazu verleitete, eigene Synthesizer zu bauen und damit zu experimentieren. Er erfand den Piepton für elektronische Kassensysteme in Supermärkten und schrieb eine mehrere hundert Seiten dicke Abhandlung über Modulationsversuche von Autohupen. Doch damit nicht genug, widmete er sich auch der Dürrezone dänischer Hörvergnüglichkeiten und bepflanzte sie mit zahlreichen Stilblüten der elektronischen Musik. Von Kopenhagen aus organisierte er Abenteuerreisen in - die dank ihm - blühenden Wüste der zeitgenössischen dänischen Musik. 

So kam es, dass er auf Fred Flower stieß, der zu der Zeit gerade die Marseiller Lavendelfelder hinter sich lies, um im märkischen Sand Berlins nach den Trüffeln der elektronischen Tanzmmusik zu forschen. Und wie es der Zufall, der im Leben ja die meisten entscheidenden Wendungen begründet, so wollte, hatte Fred soeben Rafael Gomez entdeckt. Hmm.. oder es war umgekehrt? Dass Rafael sich von Fred hat finden lassen, wie dieser eine komische Ring sie zu knechten und alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden? Ach nee, das war 'ne andere Geschichte.... Wurzeln, die bis nach Köln und Frankfurt reichen, Blätter und Blüten in Berlin, mit einer Seele, die in Detroit geschmiedet wurde und dessen Gemüt sich zwischen London und Jamaica erholt. Rafaels Musik ist wirklich ein außergewöhnliches, einmaliges und wahrlich beeindruckendes Gewächs, dessen Exploration der Fachwelt ein Rätsel aufgibt. 

Nun kommt es also im Rahmen der Dienstagswelt zum lang und heiß ersehnten Zusammentreffen der drei Granden der Audio-Botanik, eine Forschungsdisziplin, die es in dieser Form, wen wundert's, wohl nur auf dem Dienstagsplaneten gibt. Wir haben Mikroskop und Gießkanne bereit gestellt - und warten jetzt auf Wunder. Sollte jemand den Verdacht hegen, in der Gießkanne sei statt Wasser Vodka und als Linse wäre im Mikro- ein Kaleidoskop verbastelt, der kratzt nur an der Oberfläche der Trickkiste, mit deren Hilfe die Dienstagswelt zusammen gehalten wird... Hauptsache ist nämlich, es wird wieder ganz, ganz wunderbar!

> manakacha rec.


 

Dienstagswelt :: Bionic Session

Line-up:
Hubble [Sleep is Commercial | Archipel Rec.]
Hochkultur54 [Interferenz]
SimonKoma live [Sardinia/ Italy]
Kristoff Georg vs. Simon Koma [fanciful]
Tim Thaler [bln.fm]


Schrecklich! Wie soll man denn mit Zahnschmerzen einen gescheiten Promotext schreiben, der von unbeschwerter Partylaune kündet? Keine Ahnung, aber ich komm' ja trotzdem nicht drumherum... Irgendwie fühle ich mich wie im DB Infopoint, wo man trotz schlechter Laune (dank Julia Go's Radio Dienstag wissen wir: auch schlechte Laune will/ kann gut zelebriert werden..!) gute Mine zeigen muss. Überhaupt diese ganzen "Points" - sind die Euch auch schon mal aufgefallen? Info Point, Snack Point, Meeting Point sind ja noch die Gänigsten, aber die einfallslose Verwendung banaler Anglizismen (oder was man dafür hält...) kennt wenig Grenzen: In der Nähe vom Görlitzer Bahnhof gibt's den Drink Point (Späti), da wo ich wohne noch den Taxi Point und Fitness Pont, außerdem hat Berlin noch den iPoint, den Tennis Point und neben 1000 anderen Points auch noch den Dance Point.

Und da sind wir schon beim Point, äh... Thema: Immer Dienstags versucht ja unsere kleine Dienstagswelt beim tanzwütigen Publikum zu punkten (!). Und zwar mit aufsehenerregenden Künstlern und abenteuerlichen Reisen durch unerhöhrte Klänge und hypnotische Rhythmen. Ich möchte mal behaupten, dass der kommende Dienstag einer der abwechslungsreichsten Trips durch das elektronische Universum werden könnte, die je an einem Dienstag unternommen wurden. Dieser beginnt mit Hubbles Musik für Raumhafenwartehallen und planetare Observer-Sonden, um kurz danach zur Heimspielkulisse des Friedrichshainer DJ Teams Hochkultur54 zu mutieren. Inspiriert durch die Berliner Feiersounds, nicht zuletzt auch durch die dauerhaften und regelmäßigen Besuche der  Dienstagswelt, sollten spätestens an diesem P... unkt unsere Tanzraketen zünden. Im Anschluss daran spielt Simon Koma live, tatsächlich extra aus Sardinien eingeflogen für seinen zweiten Live-Auftritt in unserer Stadt, nachdem er schon die tobenden Massen bei einer der letzten Maria-Nächte perfekt unterhalten hat. Wir wissen, er freut sich wie Bolle - wir aber auch, weil wir hier ein echtes Perlchen gefunden haben. Zumindest glauben wir das bis dato. Musikalisch sind wir in der Zwischenzeit bei etwas dreckigerem Techno und NuTrance inspirierten Beats angelangt, die nahtlos in ein DJ Set von Simon Koma b2b mit Fanciful Labelhead Kristoff Georg übergehen. Die Wildcard am Ende spielt Tim Thaler - in einer schmutzigen Mischung aus Elektro, Techno, House und schranzigem Pop. Ich weiß nicht, wie ich das sonst nennen soll. Irgendwie hat er seine eigene Kategorie erfunden, und das ist ja schonmal ein sehr gutes Zeichen!

Sollten es die Besucherzahlten erfordern, machen wir heute eventuell auch den oberen Floor auf, der dann als Meeting Point (uups...) bei entspannt-kommunikativen Tunes ein wenig Raum für Gespräche und Herlzlichkeiten böte. Versprechen können wir allerdings nur eins: Es wird ein denkwürdiger, abwechslungsreicher und wie immer höchst vergnüglicher Dienstag... (zumindest für alle ohne fucking Zahnschmerzen...)