Dienstagswelt
was a weekly event series presenting a wide range of artists playing strictly electronic music - live and as DJs. Berlin's most recognized elec- tronic music event on a TUESDAY with a nice mixture of local and international audience. We celebrated our partys at RAW.tempel, MIKZ and CASSIOPEIA - located in a former industrial complex in Friedrichshain [S/U Warschauer Str.]. The rough warehouse sites were picking up the rare charme of early rave venues and combining it with the typical Berlin party style & flavor.

17.04.2012 :: You See

Line-up:
Cath'n'Dan // Eintakt
Lektor // Liebe Zur Musik
Peter Grummich // Moris Audio
Charles Tone // LPG


Na toll, da heuchelt man als Texter eine absolut glaubwürdige Schreibblockade - schwupps! - schon fängt man an, sich selbst zu misstrauen! Ihr kennt ja alle das Wort von der sich selbt erfüllenden Prophezeihung - also etwas, das eintritt, nur weil man behauptet hat, dass es eintreffen wird. "Und ich sage Euch: ein Schiff wird kommen, zu holen die Gerechten und Geläuterten, die Mildtätigen, die Weisen und Hilfsbereiten - um sie nach Shangri-La zu bringen, das Land, in dem Milch und Honig wie Mehlsuppe und Baumharz schmecken" - ist ja als Prophezeihung beispielsweise nie eingetreten, und zwar nur deshalb, weil es einfach niemand prophezeit hat! Leider, sonst wären wir diese Langweiler jetzt alle los! Die meisten der bekannten Propheten und Scheinpropheten dieser Welt ignorieren das Thema "sich selbst erfüllende Prophezeihungen" komplett - natürlich weil ja sonst niemand ihr Prophetendasein bemerken oder gar wertschätzen würde. Dabei gäbe es so schöne:  "Bei einem ersten Vollmond, den du um Mitternacht sich im Flusse widerspiegelnd, mit deinen eigenen Augen erblickest, wird dir durch ein Bade im selben Wasser ewige Jugend und ein Lotterleben in Saus und Braus vergönnet sein" ist auch so eine Prophezeihung, von der mir vollkommen unklar ist, warum sie nie jemand ausgesprochen hat! "Und wenn am siebten Tag zur siebten Stunde die sieben Hörner sieben Mal geblasen werden, so wird all jenen, die ihren Klang vernehmen, Erleuchtung und musikalisches Genie gegeben werden, auf dass sie hinausgehen in die Welt, diese vom Falschspiel und schnöden Geklimper der Schlager- und Volksmusikanten, Werbejinglekomponisten  und Klingeltonerfinder zu befreien". Hach wäre das toll! 

Nun gut, muss die Dienstagswelt, mit Hilfe ihrer heutigen Quadriga, mal wieder ihre eigenen Prophezeihungen erfüllen: Dabei gestaltet sich die nach-österliche Wunderwelt als rein Berliner Klassentreffen. Mit dabei - und quasi in der ersten Reihe, sitzt, steht und reiht Peter Grummich seine musikalischen Kleinodien zu Perlenketten der elektronischen Clubmusik aneinander, deren glänzende Prophezeihungen sich zuverlässig unter den funkelnden Spiegelkugeln der Tanzflächen erfüllen. Oder Cath'n'Dan, die Zwillinge der Nacht, deren Prophezeihung "der ganze Weg bis in den Himmel und wieder zurück lässt sich tanzend bewältigen" damals vom Tagesspiegel zwar richtig beschrieben wurde - die aber dann doch nich die "Techhouse-Brüder vom Eintakt-Label" (-> link) sind, außer sie haben heimlich ihr Geschlecht gewandelt. Kommt ja auch mal vor, aber davon wüssten wir dann doch... Wir prophezeien: "journalistischer Rohrkrepierer"! Seht ihr, wie das funktioniert? Was soll das heißen: "Vorher.. nachher..."? Was sind das denn jetzt für Spitzfindigkeiten? Tss... Immer diese Besserwisser - die hätten gleich mitfahr'n können in dieses Shangri-La! Also weiter im Text, Freunde...

Nach soviel Frohsinn verbreitet an diesem denkwürdigen Abend auch Lektor mal wieder seine pro-fetischen Botschaften von Liebe und Ekstase, nachdem er seine anscheinend nie versiegenden Quellen der Inspiration in so viele Richtungen der Partykultur dieser Stadt hat sprudeln lassen, dass es für 3 Geschichtenbücher reichen würde. Seine "Liebe zur Musik" ist tatsächlich seine selbst gelebte, sich selbst erfüllende Prophezeihung! Charles Tone schließlich schöpft seine musikalischen Prophezeihungen aus einem nahezu unerschöpflichen Repertoire aus japanischem Underground-Techno, eigenen Produktionen mit gigantisch langen und epischen Titeln (z.B. "Polaris sah uns wohl unendlich kurz nur staunen" oder "Eine Wolke stand in den Weiten noch lange") sowie aus den Dutzenden Klangwelten, die er durch seine eigenen Veranstaltungen in den Clubs "urbi et orbi" immer wieder selbst erfindet. Auf diese Weise ignorieren wir, wie immer, die schnöde Realität langweiliger Dienstagabende - und sorgen mal wieder auf's Neue für unsere ganz eigene, von sich selbt erfüllte Partynacht! 

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