Dienstagswelt
was a weekly event series presenting a wide range of artists playing strictly electronic music - live and as DJs. Berlin's most recognized elec- tronic music event on a TUESDAY with a nice mixture of local and international audience. We celebrated our partys at RAW.tempel, MIKZ and CASSIOPEIA - located in a former industrial complex in Friedrichshain [S/U Warschauer Str.]. The rough warehouse sites were picking up the rare charme of early rave venues and combining it with the typical Berlin party style & flavor.

09.04.2013 :: Underyourskin Labelnacht

Line-up:
Minimal Lounge (live) (Underyourskin Rec.)
Schlepp Geist (live) (Underyourskin Rec.)
Twinpitchers (Underyourskin Rec.)
Foolik (Sisyphos | Endorphine)


Letzte Woche hatten wir ja den Mitternachtstalk zum Thema Gema. Das hat riesig Spaß gemacht! Und schön voll war's auch! Im Nachlauf noch eine kleine Geschichte, wie sie sich schon morgen abspielen könnte. In der Dienstagswelt, der Realität, der Restrealität - oder anderswo... (Der Dank der Inspiration geht an "kultur-retten.de"):

Es war einmal... Quatsch!! Es IST auf einmal ein VR-Ö Tarif, nachdem alle DJs des Landes ihre Kopien lizensieren sollen. So sprachs die heilige Inquisition... Nein!! Die Gema natürlich. Sorry... auf das alles gut werde im Land. Und sie sahen, das wird gut (Geld bringen). Eines späten Tages trafen sich zwei DJs - nennen wir sie Twoolik und Finpitcher (Namen vom Märchenonkel geändert) zu einem nächtlichen Stelldichein bei Flackerlicht und Vodka. Meinetwegen. Ok. Club Mate. Ja... beides geht auch. Weiter im Text: Hast du schon gehört? fragt der eine den andern... Ja! Er hatte!! Mit großen, unnatürlich geweiteten Augen starrt der andere ihn an. Auf meiner Festplatte sind 10.000 Tracks, gesteht er ihm (hier könnte ein wenig dramatische Musik - gemafrei am besten -  einsetzen..) Aber noch ist es nicht zu spät! 


Die Mühlen der Inqu...inhaltlichen Prüfung der Gema mahlen ja langsam - und so könnte diese Höllenmaschine mit ihrem zutiefst illegalen Inhalt ja doch noch entschärft werden. Erleichterung steht dem Besitzer ins Gesicht geschrieben. Darauf einen Vodka. Oder zwei. Was tun? Zunächst müssen die beiden auf dem steinigen Weg der Buße herausfinden, welche der Tracks überhaupt im Gema-Repertoire gelistet sind. Dazu befragen sie die Gema-Datenbank, aber - oh weh! Mit ihren vor Demut gesenkten Augen lesen sie dazu ein Hinweis von der Gema, die im nüchternen, aber stets korrektem Deutsch verkündet: "Die angezeigten Daten stellen nur einen Auszug aus der zentralen Datenbank dar und sagen daher nichts über den Schutz des angezeigten Werkes oder den Status der angezeigten Beteiligten aus". Dem Ersten rutsch das Herz schon wieder in die Hose. Darauf noch ein, zwei... ja, ok. stimmt. Irgendwann sind sie zu besoffen. 

Als Kinder ihrer Zeit rufen sie die FAQ zum DJ-Tarif auf. Hier heißt es erklärend: "Wer hilft bei der Unterscheidung zwischen GEMA-pflichtigen und GEMA-freien Songs? Das muss der DJ selbst ermitteln. Im Zweifelsfall kann der DJ bei einzelnen Werken die GEMA anfragen. Auch im Vervielfältigungsbereich gilt die GEMA-Vermutung." Natürlich. Die Gema-Vermutung. Das Leben kann so einfach sein... Selber ermitteln? Wie - fragen sie sich verzweifelt - wie kann man in einem einzigen Menschenleben in der Lage sein, von allen Titel die Rechteinhaber zu ermitteln? Und zwar mit Klarnamen und Meldeadresse - sonst könnte ja noch wer schummeln?? Der Schmerz wird groß und größer und unermesslich groß, sodass sie beschließen, sich noch einen hinter die ... nein, ja, ok - sie lassens. Ja ist ja gut....  Aber schön, dass die Gema hilft. Die beiden tapferen und aufrechten jungen Männer, die in ihrer heiligen Mission, ihrer Verantwortung als Musiknutzer gerecht werden zu wollen, nicht aufhören können, das Gute und Wahre und Reine zu suchen, wenden sich an die In... stanz, die alleine und uneingeschränkt über das Wohl und Wehe der Urheberrechtswahrnehmung wacht wie ein Feuerschiff in stürmischer See: an die Gema selbst. 

Die beiden unerschrockenen Recken bitten nun in alleruntertänigster Manier, wie es sich für einen sündigen Bittsteller gehört, beim Hohen Rat um Gehör und um Durchsicht ihrer in mühevoller Kleinarbeit erstellten Liste. Der Gemadialog, eines dieser modernen Märchen an Kommunikationskompetenz im Jahr 2013 des Herrn, den die Gema erfunden hat, um dem Fussvolk der Nutzer und Gebührenzahler ein Tor zu öffenen, ein Tor zum Herzen der Menschen, die dort arbeiten und die sich in ihrem Bemühen, die Welt ein Stück gerechter zu machen, nicht beirren lassen... dieser Gemadialog also verkündet: "Die Bearbeitung von umfangreichen Listen geht über den Auskunftsanspruch § 10 UrhWG hinaus. Die GEMA müsste daher kostendeckende Bearbeitungsgebühren in Rechnung stellen (vgl. Reinbothe in Schricker, Urheberrecht, 3.Auflage, § 10 WahrnG, RdNr.6). Demzufolge prüfen wir bei einer konkreten Anfrage den erforderlichen Aufwand und berechnen die entsprechenden Kosten. Individuelle Auskünfte erhalten Sie bei einer unserer Bezirksdirektionen."

Nun, und so kommt es, dass unsere beiden Helden am heutigen Dienstag voller Trauer und Verzweiflung am Tresen der Dienstagswelt - ihre zerstörten Hoffnungen und Träume doch in einigen stark alkohol... freien  Getränken zu vergessen suchen. Ihnen helfen dabei zwei Livekünstler, deren Namen wir als Mitverschwörer natürlich geheim halten, die über die Untiefen ihrer Samplebänke und Cuts brüten und sich fragen: Was wird die Gema sich wohl für sie als Livekünstler ausdenken, wenn - ja wenn die allmächtigen Eminenzen erst den Unterschied zwischen DJ und Liveact verstanden haben?

Wir klären diese Fragen gerne gemeinsam mit Euch, wenn ihr mögt. Ihr könnt aber auch nur zum Feiern kommen!

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